Dienstag, 30. November 2010

early morning bliss

Glück ist, in London aufzuwachen und festzustellen, dass es schneit. Eine Mandarine frühstücken, heißen schwarzen Kaffee schlürfen und den Flocken beim Fallen zuschauen. Nicht mal auf die Katze böse sein, weil sie genauso fasziniert vom Geschehen ist und mucksmäuschenstill am Fenster sitzt und nach draußen starrt. Stiefelchen, Mantel, Mütze, Schal und Handschuhe anziehen und rausgehen. Im roten Bus einen Platz ganz oben ganz vorne bekommen. Cat Power hören und die Schneeflocken dabei beobachten, wie sie erst auf Brixton, dann auf Stockwell, dann auf Kennington, dann auf Elephant&Castle und schließlich auf Borough fallen. Viel zu früh ankommen und Zeit haben, sich beim Cornershop ein Croissant zu kaufen. Besagtes Croissant mit der zweiten Tasse Kaffee des Tages im vollkommen leeren Büro genießen, immer noch dem Schnee zuschauen und darauf warten, dass der Tag beginnt.

Samstag, 27. November 2010

Gestockdingst

Der Stiller hat's jetzt doch getan und mir ein Stöckchen auf die Insel geworfen. Nehme ich ihm nicht übel, immerhin hat er mich wirklich lange Zeit verschont und außerdem ist es hier viel zu ruhig gewesen. Er möchte wissen, was ich zuletzt gedingst habe.

Gelesen:
My Booky Wook, den ersten Teil der Autobiographie von Russell Brand. Empfohlen und ausgeliehen von einer Bürokollegin mit den Worten, er wäre sehr "likeable", was ich ja erst nicht glauben wollte. Ist aber so, und äußerst unterhaltsam und ehrlich noch dazu.

Gesungen: Ich singe nicht. NIE. Okay, das ist vielleicht ein bisschen gelogen. Es gibt da diesen niederländischen Schlager, den ich manchmal nachts zehnmal hintereinander mitgröle. Aber das weiß niemand.

Gehört: Lykke Li - Get Some. Seit Miss Carrie das verbloggt hat, komme ich nicht mehr davon weg. Außerdem funktioniert es super im Großraumbüro, wenn ich eine Transkription machen muss und deswegen eine offizielle Ausrede habe, Kopfhörer zu tragen und meinen Skype-Status auf "Beschäftigt" zu setzen. Merkt kein Mensch, wenn da im Hintergrund ein Youtube-Video läuft. Außer vielleicht an meinem unkontrollierten Fußwippen.

Geseriet: Neueste Folge der britischen Version von The Apprentice, wo ein Haufen Möchtegern-Manager jede Woche um die Gunst eines angeblichen Business-Moguls mit dem lächerlichen Namen Lord Sugar buhlt. Letzten Mittwoch wurden sie nach Deutschland geschickt, um den Krauts selbsterfundene neue Chips-Sorten zu verkaufen, inklusive zahlreicher cringe-worthy moments, wenn Klassenclown Stuart 'Deutsch' sprach: "Guten Tag. Mein Name ist Herr Baggs. Dies ist mein Kollege Laura. Wunderbar.", und dann am Ende von Lord Sugar ein Lob bekam, "because he speaks a foreign language".

Gesehen: Easy A, der nach ausführlicher Jezebel-Berichterstattung und dem Trailer sehr vielversprechend aussah. War aber enttäuschend, auch wenn Emma Stone immer noch großartig ist.

Getrunken: Jasmintee.

Gegessen: Honigbrot, und zwar kein britisches Weißbrot, sondern Sonnenblumenkernbrot, das bei deutschen Discountern der Standard ist und bei Tesco unter "Ausländische Delikatessen" läuft.

Gekocht: Soulfood nach der Arbeit (ich bin doch eigentlich Studentin, ich bin keine 40-Stunden-Wochen gewöhnt!): Sahniges Lauchgemüse mit ein paar Speckwürfelchen und dazu knusprige potato waffles aus dem Ofen. Ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich die nicht schon früher entdeckt habe.

Gefreut: Über den Geruch, der mir immer entgegenkommt, wenn ich in Brixton aus der U-Bahn komme oder aus dem Bus steige: Zuckerwatte.

Geknipst: Die Monsterspinnen, die ich in kurzem Abstand erst in meinem Bett (!!) und dann in der Spüle gefunden und mit einem Glas gefangen habe. Ich präsentiere: Kaffeesatz, ein Pint-Glas und eine sehr verärgerte Spinne kurz vor ihrer Abschiebung.

Gelacht: Über diesen Katzencomic, den ich von meinem Bruder bekommen habe. Erinnert mich an die Katze, mit der ich aktuell zusammenwohne. Im negativen Sinne.

Geärgert: Über InDesign, das wirklich überhaupt gar nicht benutzerfreundlich ist.

Genäht: Genäht kann man es wohl nicht nennen: Dekorativer Knopf an Kleid, der mir im Büro einfach abfiel, was sehr blöd aussah. Gerettet wurde mit einer Sicherheitsnadel.

Gekauft: Ein Christmas Sandwich von Prêt-A-Manger, das mit Truthahn, Kräuterfüllung, Cranberrysauce, Röstzwiebeln, jungem Spinat und Mayo belegt ist. Göttlich.

Gespielt: Pacman, um mich zu motivieren, Kekse in selbiger Form zu backen. FAIL. Teig zu klebrig, keine Ausstecherle vorhanden, Zuckerguss nicht flüssig und farbecht genug. Es wurden undefinierbare Monster daraus.

Gefeiert: Auf die Gefahr hin, zu bürolastig zu werden: Den Geburtstag einer Kollegin. Allein der Wunsch, mich zu integrieren und 'sociable' zu sein, hat mich dazu gebracht, an Liveband-Karaoke teilzunehmen und nicht den ganzen Abend über verachtungsvoll dreinzuschauen.

Gefühlt: Kälte in den Fuß- und Fingerspitzen. Näher an die Heizung rücken.

Geworfen wird dieses Stöckchen Richtung Paris zu Miriam, und Richtung Amerika zu Miss Carrie.