Es stimmt schon, dass es nicht unbedingt die weiseste Entscheidung ist, mitten in die Kölner Südstadt zu ziehen, wenn man so ein Karnevalshasser ist wie ich. Deshalb habe ich über die Karnevalstage in den Außenbezirken Zuflucht gesucht und wähnte mich dort auch relativ sicher. Der Plan war, das Haus nicht zu verlassen, abgesehen von notwendigen Ausflügen zum Supermarkt, um neue Vorräte zu besorgen - zügig gehen und bloß nicht aufschauen, falls man von einem betrunkenen Känguru oder einer renitenten Rentnerin mit glitzernden Herzchen auf den Wangen angerempelt wird. Wenn man konsequent auf den Boden vor den eigenen Füßen stiert, läuft man übrigens auch weniger Gefahr, über herumliegende Bierflaschen zu stolpern oder von Luftschlangenlianen zu Fall gebracht zu werden.
Wie auch immer - gestern nun trat ich nach einem erfolgreich karnevalsfrei gestalteten Tag meine verdiente Nachtruhe an. Mein Kopf war wohlig auf einem weichen Kissen gebettet, die Decke war warm und flauschig, ich träumte friedlich vor mich hin. Es muss so gegen halb drei gewesen sein, als durch mein Unterbewusstsein Stimmengemurmel von der Straße drang. Es folgte ein nicht einzuordnendes "Plonk", und dann wurde ich von einem Schneeball getroffen. Ich wiederhole das grade noch mal: Ich wurde von einem Schneeball getroffen. Am Kopf. Durchs leicht geöffnete Fenster. IM BETT! MITTEN IN DER NACHT! Karnevalisten gehören doch allesamt gehängt. Ich eröffne demnächst eine Unterschriftenliste. Ihr findet mich dann mit Klemmbrett, Kuli und kugelsicherer Weste in der Kölner Innenstadt.